Kreiskrankenhaus Osterholz

Geschichte

Eine bessere ärztliche Versorgung für die Menschen der Region war die Triebfeder für die Gründung des Kreiskrankenhauses Osterholz im Jahr 1957. Auch wenn man es noch nicht so nannte wie heute: Die Nähe zum Patienten und seinem sozialen Umfeld ist das, was schon damals an unserem Haus geschätzt wurde.

Vor mehr als fünfzig Jahren begründet, ist diese Nähe auch heute noch ein wichtiger Grund, warum die Menschen zu uns kommen und sich den Ärzten, Schwestern, Pflegern und Therapeuten des Kreiskrankenhauses anvertrauen.

Vorgeschichte

Im Staatshandbuch über die Provinz Hannover für das Jahr 1904 sind für den Kreis Osterholz sieben Ärzte verzeichnet. Sonstige Einrichtungen des Gesundheitswesens gab es nicht.
Zu Beginn der dreißiger Jahre besaß der Landkreis Osterholz – aus dem Zusammenschluss der Kreise Blumenthal und Osterholz entstanden – ein Kreiskrankenhaus in Aumund. Es ging verloren, als im Rahmen der „Gebietsbereinigung an der Unterweser“ am 1. November 1939 durch die „Vierte Verordnung über den Neuaufbau des Reiches“ die Industriegemeinden Aumund, Blumenthal, Farge, Grohn, Lesum und Schönebeck vom Kreis Osterholz abgetrennt und Bremen zugeschlagen wurden. Der Landkreis Osterholz erhielt für das Krankenhaus eine Entschädigung von 900.000 Reichsmark.

1939 bis 1946

Aufgrund der Kriegsverhältnisse war es jedoch nicht möglich, einen Ersatzbau in Angriff zu nehmen; das Geld fiel in vollem Umfang den Sonderbestimmungen der Währungsreform zum Opfer. Der zweite Weltkrieg, der nach und nach immer härter in alle Lebensbereiche eingriff, und zeitweise den Verkehr auf Schiene und Straße fast völlig lahm legte, ließ das Fehlen eines Krankenhauses im Kreis Osterholz besonders deutlich werden. Daher kam es aufgrund einer Anordnung des damaligen Reichsverteidigungskommissars in Lüneburg vom 11. September 1944 zur Einrichtung eines Hilfskrankenhauses in der Gewerblichen Berufsschule – heute befindet sich hier die Grundschule – an der Lindenstraße in Osterholz-Scharmbeck. Ausbau und Ausstattung waren nur unter unsäglichen Schwierigkeiten möglich, doch das Behelfskrankenhaus mit letztendlich 135 Betten trug wesentlich dazu bei, die Krankenversorgung im Kreis Osterholz einigermaßen zu sichern.

1947 bis 1955

Das Krankenhaus konnte jedoch keinesfalls als Dauerlösung angesehen werden, zumal ein weiterer Ausbau nicht möglich war. Bereits 1947 wurde daher die Planung eines Neubaus erwogen. In den folgenden Jahren rückten die Pläne immer stärker in den Vordergrund, wobei der damalige Landrat Christian Evers wesentliche Impulse gab.
Als Standort für einen mehrgeschossigen Neubau in T-Form wurde der Upmannsche Park an der Bahnhofstraße vorgesehen, den die Stadt Osterholz-Scharmbeck für das Projekt zur Verfügung stellte. Nachdem zunächst Landesrat Dr. Winkelmüller-Hannover an der Planung gearbeitet hatte, übernahm dann Prof. Dr. Oesterlen-Hannover die Entwurfsarbeiten.

Unter seiner Leitung wurde 1954 mit dem Bau des Schwesternwohnheimes im Upmannschen Park begonnen, da die Unterbringung der Pflegekräfte besonders vordringlich war. Inzwischen wurde jedoch eine grundlegende Umstellung der gesamten Planung notwendig. Die Landesdienststellen, auf deren Finanzierungshilfe der Landkreis Osterholz angewiesen war, rückten wegen der Nähe des Bahnhofes und größerer Industriewerke vom vorgesehenen Standort ab, so dass ein anderes günstigeres Gelände ausgewählt werden musste. Nach längeren Verhandlungen fiel die Entscheidung auf das jetzige Krankenhausgelände am Rande der Stadt. Zugleich wurde auch der Entwurf des Architekten Dr.-Ing. Wietfeld-Hannover zur Ausführung bestimmt, der eine konsequente Flachbau-Planung darstellte. Im Herbst 1955 wurde mit dem Neubau begonnen, bereits zwei Jahre später konnte das Kreiskrankenhaus in Betrieb genommen werden. 

1957 bis 1973

Das neue Krankenhaus verzichtete auf jede überflüssige Repräsentation und stellte vielmehr das funktionsgerechte Zusammenwirken in den Vordergrund, wobei jedoch ein unpersönlicher Schematismus vermieden wurde. Es gelang in überzeugender Weise, das Menschliche zu betonen. Von besonderer Bedeutung war zudem die Möglichkeit, ohne Änderung der Grundkonzeption Erweiterungen vorzunehmen. Mit dieser Notwendigkeit musste sich der Landkreis Osterholz als Träger des Krankenhauses schon nach kurzer Zeit auseinandersetzen. Die Zahl von 165 Betten reichte nicht mehr aus, so dass in den größeren Fünf-Betten-Zimmern ein sechstes Bett aufgestellt werden musste. Somit konnte das Haus 185 Patienten aufnehmen, doch auch diese Bettenzahl reichte zeitweise kaum aus.

Der ursprünglichen Planung war eine innere Abteilung mit Infektionsstation, eine chirurgische Abteilung mit angeschlossener gynäkologisch-geburtshilflicher Station und eine kleine Hals-Nasen-Ohren-Abteilung zugrunde gelegt worden. Doch schon 1958 erwies sich die Einstellung eines Gynäkologen als erforderlich, die zwei Jahre darauf den Bau einer in sich geschlossenen gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung zur Folge hatte. Gleichzeitig wurde die inzwischen zu klein gewordene innere Frauenabteilung erweitert. Die Kapazität des Kreiskrankenhauses wuchs damit auf 212 Betten und um zusätzlichen Raum für 15 bis 25 Säuglinge. Als Nebenanlagen entstanden – um den bis 1958 im Upmannschen Park untergebrachten Schwestern Wohnmöglichkeiten in unmittelbarer Krankenhausnähe zu bieten – ein Schwesternheim, das inzwischen zweimal erweitert werden musste, ein Ärztehaus für zwei Familien und drei unverheiratete Ärzte, ein Vier-Familien-Haus für den Wirtschaftsleiter, den Hausmeister und zwei Arztfamilien, ein Ärztehaus für vier Familien und zwei unverheiratete Ärzte, Werkstatt, Archiv und umfangreiche Parkplätze für Personal und Besucherverkehr.

1974 bis 1997

Wegen der damalig hohen Auslastung, die zwischen 85 und 95 Prozent lag, wurde 1974 die Genehmigung zur Erweiterung auf 311 Betten erteilt, jedoch nie vollzogen. Stattdessen erfolgte am 6. Juni 1974 der erste Spatenstich zum Anbau eines Funktionstraktes, in dem OP und Intensivstation im Obergeschoss, sämtliche Untersuchungsbereiche mit der zentralen Radiologie im Erdgeschoss und, aus heutiger Sicht unverständlich, die Physikalische Therapie und die chirurgische Station 5 im Untergeschoss Platz haben sollten. Im Dezember 1974 konnte bereits Richtfest gefeiert werden. Die Inbetriebnahme des Funktionstraktes zog sich jedoch bis zum Juni 1978 hin. 

Ebenfalls 1978 begann die Renovierung der Stationen im Hauptgebäude. Der erste Teil der Sanierung wurde aus Landkreismitteln bestritten. Dafür übernahm das Land Niedersachsen nach zähem Ringen und mit Unterstützung der Kommunalpolitiker den Großteil der weiteren Umbaukosten in Höhe von rund 12 Millionen DM. Zunächst wurden die Stationen 3, 5 und 7 renoviert. Ab 1997 die Stationen 1, 6 und 8. Nahtlos ging es weiter mit der Renovierung. Es folgten der Umbau der Küche, die Sanierung des Eingangsbereiches und der Bau einer Cafeteria; Maßnahmen, die das Kreiskrankenhaus aus Eigenmitteln finanzieren musste.

1997 bis heute

1998 konnte die auf dem Krankenhausgelände neu geschaffene Gesundheitsschule eröffnet werden. Sie löste die Krankenpflegeschule in der Upmannschen Villa ab, die dann verkauft wurde. Der stetige Rückgang der Verweildauer und Veränderungen von stationärer hin zu ambulanter Behandlung erforderten neue Strukturen im Krankenhaus, so dass trotz eines erheblichen Anstieges der Patientenzahlen statt der ehemals neun zum Teil kleinen Stationen mit 212 Betten heute noch vier Stationen mit 123 Betten im Vollbetrieb sind. Hinzu kommen jährlich über 40.000 ambulante Behandlungen und mehr als 1.000 ambulante Operationen. 

Betrachten wir das Kreiskrankenhaus heute, so hat sich in einigen Bereichen kaum etwas, in anderen fast alles verändert. Gleich geblieben ist die wohnortnahe Lage im Grünen; das ebenerdige Gebäude, überschaubar und persönlich. Um diese Atmosphäre noch zu verstärken, finden regelmäßig wechselnde Kunstausstellungen in den Fluren statt, der Geruch von Aromaölen zieht durchs Haus und unser vor einigen Jahren erarbeitetes Leitbild stellt in allem Handeln jedes einzelnen Mitarbeiters das Wohl des Patienten in den Mittelpunkt.


50 Jahre Kreiskrankenhaus Osterholz

Wer tiefer in die Geschichte des Kreiskrankenhauses Osterholz einsteigen möchte, kann unsere Jubiläumsbroschüre zum fünfzigjährigen Bestehen 2007 als PDF herunterladen.