Kreiskrankenhaus Osterholz

Ärztliche Weiterbildung in der Allgemeinchirurgie

Unser Weiterbildungskonzept dient der systematischen Einarbeitung und Fortbildung von Ärztinnen und Ärzten, die als Berufsanfänger in die Chirurgie kommen. Der Aufbau orientiert sich einerseits an den Lernzielen und andererseits an den Abläufen in der chirurgischen Abteilung. Für Kolleginnen und Kollegen, die in der Weiterbildung bereits fortgeschritten sind, wenn sie im Kreiskrankenhaus Osterholz anfangen, dient dieses Ausbildungskonzept als Orientierung.  

Chirurgisches Fachwissen in sieben Stufen

Phase 1 / Orientierung

Am ersten Arbeitstag werden Sie in der chirurgischen Abteilung durch die anwesenden Ärztinnen und Ärzte begrüßt. Anschließend gilt es gleich, die Formalitäten zu erledigen. 

Im Einzelnen sind das: 

  • Übergabe eines DECT-Telefons samt Nummer
  • Erteilung des EDV-Zugangscodes
  • Formalitäten in Verwaltung und Wäschestellung

Anschließend stellen Sie sich in Begleitung einer Kollegin oder eines Kollegen auf den chirurgischen Stationen, in der Ambulanz und im OP vor. Ferner empfehlen wir Ihnen, sich in dieser Anfangsphase auch in den anderen Abteilungen des Hauses vorzustellen. 

Für diese Phase werden etwa drei Tage anberaumt.

Phase 2 / Einarbeitung

In der ersten Woche arbeiten Sie sich in das EDV-System ein und lernen die Benutzung des Intranets sowie das Aufsuchen von Arbeitsanweisungen hier kennen. Die Einweisung erfolgt durch die Assistenzärzte und die Mitarbeiter der EDV-Abteilung. Sie werden durch Assistenzarztkollegen in die Stationsarbeit eingeführt sowie in die die ärztliche Arbeit in der Ambulanz. Den Arbeitsplatz OP (Räumlichkeiten, Umkleiden, etc.) zeigen Ihnen die OP-Schwestern. Die Hygiene im OP-Bereich erklärt Ihnen der Hygieneverantwortliche. 
Während dieser Ausbildungszeit supervidiert Sie begleitend ein für Sie zuständiger chirurgischer Facharzt.

Anschließend werden Sie durch einen Chef- oder Oberarzt in die chirurgische Assistenz eingeführt. Je nachdem, wie es um Ihre manuelle Geschicklichkeit und Ihre Erfahrung bestellt ist, werden Sie auch in der chirurgischen Knotentechnik unterwiesen. Parallel wird Ihnen entsprechendes Übungsmaterial und passende Literatur zur Verfügung gestellt. Ein erstes orientierendes Ausbildungsgespräch findet nach vier Wochen statt und dient der Reflektion aller bisher durchgeführten Maßnahmen.

Phase 3 / Beginn der eigentlichen Weiterbildung

Bereich A / Stationsarbeit: 

Sie betreuen eigenständig ausgesuchte Patienten unter Supervision durch den zuständigen Oberarzt. Die Betreuung beinhaltet die Patientenaufnahme, die perioperative Betreuung, die durchzuführenden Verbandwechsel, die postoperativen Anordnungen und die Festlegung des Entlassungstages sowie die Erstellung der Dokumentation und des Arztbriefes. Es werden zunächst Patienten ausgesucht, die aufgrund ihres Krankheitsbildes für Berufsanfänger geeignet sind, und bei denen die Orientierung am Standardprogramm möglich ist. Sämtliche Schritte der Betreuung werden durch den zuständigen Oberarzt kontrolliert.

Bereich B / Ambulanz: 

Sie werden anhand der vorliegenden Anweisungen und nach Rücksprache mit dem unfallchirurgischen Leiter oder seines Stellvertreters in das Durchgangsarztverfahren (D-Arzt-Verfahren) eingewiesen. In diesem Rahmen erstellen Sie D-Arzt-Berichte bei einfach verletzten Patienten. Folgende Schritte führen Sie in der Ambulanz selbsttätig durch:

  • Befunderhebung von Unfallverletzten
  • Erstellung von Behandlungskonzepten
  • einfache Wundversorgungen und Anlegen von Verbänden bei Unfallverletzten

Auch in der Ambulanz werden alle von Ihnen ergriffenen Maßnahmen kontrolliert – entweder durch den Abteilungsleiter oder seinen Vertreter.

Bereich C / Operationssaal: 

Sie werden in die operative Assistenztätigkeit eingeführt. Zunächst vermitteln Ihnen die OP-Schwestern die Instrumentenkunde. Die Abdeck- und Hautdesinfektionstechniken werden Ihnen durch die Fachärzte für Chirurgie vermittelt. Die Technik der chirurgischen Assistenz erlernen Sie ebenfalls unter der Anleitung von Fachärzten.

Acht Wochen nach Arbeitsbeginn übernehmen Sie eigenständig Bereitschaftsdiensttätigkeit. Bei entsprechender Fähigkeit und in Absprache mit dem Abteilungsleiter kann diese Tätigkeit auch bereits sechs Wochen nach Arbeitsbeginn aufgenommen werden.

Nach sechs Monaten wird die Einarbeitungsphase durch ein Gespräch mit dem Abteilungsleiter abgeschlossen. Bei besonderer Befähigung kann dieses Abschlussgespräch auch vorgezogen werden.

Phase 4 / Vorbereitung auf intensiv-medizinische Betreuung/Besonderheiten der Anästhesie

In dieser Phase erwartet Sie eine vierwöchige Einführung in die Anästhesie und die Intensivstation durch unsere Anästhesisten. Anschließend werden Sie in der Notfall-Ambulanz tätig und betreuen chirurgische Patienten auf der Intensivstation. 

Sie werden angeleitet, um …

  • zentrale Venenkathetern zu legen
  • Endotracheal zu intubieren
  • Maskenbeatmung vorzunehmen
  • Thoraxdrainagen zu legen
  • Gelenkpunktionen durchzuführen
  • Blutgruppenbestimmungen vorzunehmen
  • Erythrozytenkonzentrate zu verabreichen

Sie erhalten eine Einführung in die Notfallsonographie des Abdomens nach zuvor durchgeführtem Sonographiekurs. Selbständig veranlassen Sie Röntgenbilder nach zuvor durchgeführtem Strahlenschutzkurs Teil I bis III. Die diesbezüglichen Fortbildungen werden vom Arbeitgeber finanziert.

Nach einem Jahr findet ein zu protokollierendes Fortbildungsgespräch mit den Abteilungsleitern statt.

Phase 5

Im zweiten Jahr übernehmen Sie die Erstassistenztätigkeit im chirurgischen OP und führen hier kleine operative Eingriffe unter der Assistenz des Facharztes durch. So festigen Sie im Laufe des zweiten Jahres Ihre Kenntnisse in allen Arbeitsbereichen. 

Auf dieser Grundlage erstellen Sie ein Konzept für die postoperative Anschlussbehandlung bei bösartigen Erkrankungen in Zusammenarbeit mit unserer onkologischen Abteilung. Zudem erarbeiten Sie Gutachten im berufsgenossenschaftlichen Heilverfahren und in der privaten Versicherung unter Anleitung und Kontrolle des Durchgangsarztes. 

Sie nehmen an der Weiterbildung „Common trunk“ des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen teil.

Nach 18 Monaten folgt ein erneutes Ausbildungsgespräch mit den Abteilungsleitern. Ziel dabei ist es, Ihren beruflichen Werdegang weiter zu planen. Wir unterstützen Sie bei der weiteren Orientierung und bieten Ihnen ggf. Hilfe bei der Vermittlung entsprechender Ausbildungsstätten an. Wenn Sie Ihre Ausbildung nach 24 Monaten Allgemeinchirurg als „Common trunk“ beenden möchten, erfolgt am Ende dieser Zeit ein Abschlussgespräch samt der Dokumentation von Ausbildungsinhalten. 

Phase 6

Wenn Sie eine vertiefte Ausbildung in der Allgemeinchirurgie anstreben, werden Sie im dritten Ausbildungsjahr vermehrt an Operationen in der Allgemein- und Viszeralchirurgie sowie in der Unfallchirurgie herangeführt. Sie werden eingeführt in die endoskopische Chirurgie und führen Operationen von Gallenblasen, Appendicaes und ggf. Hernien unter fachärztlicher Anweisung durch. 

Im Bereich der Unfallchirurgie werden Sie in Verletzungen und Operationen des Sprunggelenks, der gelenknahen Frakturen und des körperfernen Femurs eingeführt. Ferner werden Sie bei der Durchführung von Operationen im Bereich des Handgelenkes und Frakturen an der Hand angeleitet. 

Sie vertiefen die Kenntnisse in Dokumentation sowie Kodierung durch einen Auffrischungskurs und erstellen eigenständig Dokumentationen von Patienten mit schwierigeren Krankheitsbildern. 

Zudem gestalten Sie eigenständig abteilungsinterne Fortbildungsveranstaltungen und nehmen teil an einer Weiterbildung des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen für das Fach Allgemeinchirurgie. Sie arbeiten sich ein in die Erstellung von Gutachten mit wissenschaftlich ausführlicher Begründung und erarbeiten die entsprechende Literatur.

Der Abschluss Ihres dritten Ausbildungsjahres erfolgt durch ein Mitarbeitergespräch.

Phase 7

In der letzten Weiterbildungsphase werden Ihnen speziell die Operationen zugewiesen, die für den Facharzt für Allgemeinchirurgie noch erforderlich sind und von Ihnen bisher noch nicht oder nicht in ausreichendem Maße durchgeführt worden sind.

Um die Defizite, die im Mitarbeitergespräch zum Ende des dritten Ausbildungsjahres gemeinsam identifiziert worden sind, zu beheben, finden gezielte Trainings statt. Außerdem nehmen Sie an einer Fortbildungsveranstaltung zur Gesprächsführung und Begleitung von Schwerstkranken und Sterbenden teil. 

Am Ende der letzten Ausbildungsphase findet ein ausführliches Weiterbildungsgespräch mit den Abteilungsleitern statt. Darüber hinaus unterstützen wir Sie gern bei der Vorbereitung auf Ihre  Facharztprüfung.

Chefärzte

Dr. med. Michael Spatny

Dr. med. Michael Spatny
Facharzt für Chirurgie, Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie

T  04791/803-372
E chirurgie(at)kkhohz.de


Dr. Hans-Ludwig Lenz

Dr. med. Hans-Ludwig Lenz
Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie, Spezielle Unfallchirurgie, Zertifizierter Fußchirurg (GFFC)

T  04791/803-372
E  chirurgie(at)kkhohz.de